In diesem Post werden mal sämtliche in Österreich unbekannten Naturphänomene diskutiert, die hier doch eher häufig auftreten... nämlich Erdbeben und Taifune. :)
Erdbeben haben wir hier ziemlich oft, allerdings meist, ohne sie mitzubekommen. Ich würde schätzen, dass es etwa einmal in der Woche eins gibt, auf ganz Taiwan bezogen. Wie wir in unserem Geographie-Kurs schon gelernt haben (!), treffen in Taiwan die eurasische und die philipinische Platte zusammen, und dadurch, dass die philipinische Platte die eurasische aufschürft, ist Taiwan erst entstanden. Das Central Range (die Bergkette in Taiwan, die sich von Norden nach Süden zieht) wird durch diese Bewegung pro Jahr um einige cm höher.
("Exploring Taiwan" - ein Kurs über Geographie, Geologie, Ökosystem und Gesellschaft, extra für Austauschstudenten eingerichtet und auf englisch. Am Anfang hats geheißen, dass 50% der Note Anwesenheit und 50% der Note die Gruppenpräsentation am Ende der Vorlesung ausmachen, aber jetzt gibt es jede Woche einen Report zu schreiben, und einmal sogar noch zusätzlich einen Multiple-Choice-Test zum Ausarbeiten - also von wegen billiger Schein! :) Aber es ist ganz interessant, und jede Woche ist ein anderer Professor an der Reihe, sein Fachgebiet vorzustellen, also es ist ziemlich abwechslungsreich.)
Von den häufigen Erdbeben haben wir bisher zwei mitbekommen; eines erst vor kurzem, da gab es um 11 vormittags auf einmal zwei Wackler, das wars dann aber auch schon. Man hatte nur kurz das Gefühl, der Boden "schwankt" hin und her, aber ehe wir es realisiert hatten, was das jetzt war, wars auch schon wieder vorbei.
Das andere war schon um einiges spektakulärer - am 7. September nachts um 2 Uhr gab es in Hualien ein Erdbeben der Stärke 6.6 auf der Richterskala. Unten auf der Karte sieht man, wie stark das Beben in den übrigen Teilen Taiwans war - in Taipei immerhin noch Stärke 3!
Dazu muss man sagen, dass ich über das Beben leider nicht viel sagen kann; vielleicht kennt ihr meinen Schlaf... ich bin einfach nicht aufgewacht. Meine Zimmerkollegin übrigens auch nicht, wir haben das Erdbeben einfach verschlafen!
Tja, wie ich dann immer sage: Wenn Chrisi schläft, könnten die Chinesen während der Nacht einmarschieren, und sie würde nur merken, dass am nächsten Tag auf einmal gelber Stern statt weißer Sonne auf dem Fahnenmasten weht...
Erdbeben war ziemlich spooky, ich bin mitten in der Nacht munter geworden, und hab nicht recht gecheckt was los war. Noch halb im Traum, halb wach, hab ich dann gemerkt dass das Bett irgendwie zittert und wackelt, wobei ich zuerst geglaubt hab ich bilde mir das nur ein. Dann wars ein paar Sekunden ruhig, dann kam die nächste Welle, wieder ein paar Sekunden lang gerüttel. Dann wars vorüber.
Mein Zimmerko is auch aufgewacht, wir ham uns kurz ausgetauscht ob das jetzt echt oder nur Einbildung war, und sind dann wieder ins Bett. Ich hab aber eine Zeit lang nicht einschlafen können, weil ich dann schon irgendwie Schiss gehabt hab. Hätte ja auch nur ein Vorbeben sein können oder so...
Ich mein, ich hab ja gewußt, dass ich schnell und tief schlafe, aber eigentlich hätte ich schon gedacht, dass mich ein Erdbeben aufwecken würde. Ich war am nächsten Tag echt enttäuscht, dass ich es nicht mitbekommen hab, wie die anderen dann ausgiebig darüber diskutiert haben!
Aber so grundsätzlich ist es nicht von Nachteil, dass man hier einen guten Schlaf hat. Es ist schon des öfteren (wirklich oft, so ein-zweimal [sagt Chrisi, dies noch nie gehört hat^^ 3-4 mal triffts schon eher!] die Woche; noch bis vor zwei Wochen) der Feueralarm "versehentlich" losgegangen - ob es jetzt Kurzschlüsse und kaputte Leitungen sind, oder Studenten, die ihn mutwillig auslösen, ist nicht geklärt, aber jedenfalls läutet es immer mitten in der Nacht, und das dann für so 5-10 Minuten. Danach kommt dann immer eine kurze Erklärung oder Entwarnung - vermuten wir zumindest; sicher können wir es nicht sagen, da die Leute immer chinesisch reden. Da ist es schon praktisch, wenn man sich davon nicht stören lässt und einfach weiterschläft.
Auch schon einmal vorgekommen ist es, dass einige Austauschstudenten im Suff die öffentliche Sprechanlage missbraucht haben. Anscheinend befindet sich die im Erdgeschoß hinter dem Tresen des Portiers, und wenn der (wie in diesem Fall, es war nämlich ein Taifun angekündigt) nicht da ist, dann kann man da einfach reinspazieren und sie benutzen. Die beiden Studenten, die das getan haben, haben dann zwar ziemliche Probleme bekommen, weil die einheimischen Heimbewohner offenbar nicht sehr amüsiert waren (naja, eigentlich war niemand so wirklich amüsiert, das ganze hat sich um 3 Uhr morgens abgespielt, was eher unlustig is wenn man schlafen möchte. Uns Austauschstudenten noch eher egal zwar, aber die Einheimischen stehen normalerweise in aller Früh auf und arbeiten für die Uni, darum waren die natürlich verärgert, dass sie nicht durschlafen konnten), aber so wies aussieht, ist die Sache glimpflich verlaufen - sie wohnen noch da, also rausgeworfen oder heimgeschickt worden sind sie nicht (was aber tatsächlich diskutiert worden ist!!!), und irgendeine Strafe werden sie schon gekriegt haben.
Tja, und damit wären wir schon beim zweiten Thema angelangt - Taifune. Bisher hatten wir zwei Taifune, Taifun Wipha (18.09.2007) und Taifun Krosa (06.10.2007).
Taifun Wipha war eher harmlos, von Sturm haben wir fast nichts mitbekommen, der ist ziemlich weit von Taiwan entfernt über dem Meer vorbeigezogen und hat dann Kurs auf die chinesische Ostküste genommen. In Shanghai dürfte er einigen Schaden angerichtet haben, wurde dann aber durch den "landfall" ziemlich schnell abgebremst und verschwand relativ schnell. Er war jedenfalls potentiell gefährlich genug, um uns einen freien Tag zu bescheren - alle öffentlichen Ämter, Schulen und Universitäten blieben an diesem Tag geschlossen und auch fast alle Geschäfte und Restaurants hatten zu. Wir blieben bis zum Abend im Heim, dann trieb uns der Hunger nach draußen, aber da war es schon nicht mehr besonders windig.
Ein paar Eindrücke (ich hab mich rausgewagt, wies noch halbwegs windig war, war ganz lustig ;-) (mehr könnt ihr sehen, wenn ihr auf die Bilder klickt und euch unser dazugehöriges Fotoalbum anseht):

Taifun Krosa hingegen war schon ein Erlebnis, und das, obwohl er uns ebenfalls nicht richtig erwischt hat. Es war angekündigt, dass er sich nachts von Freitag, 5.10., auf Samstag der Küste Taiwans nähern sollte und dann Samstag direkt über Taipei hinwegziehen würde. Schon am Freitag abend hatten wir gewaltigen Wind, der dann in der Nacht noch stärker wurde - so gegen 4-5 in der Früh konnten wir schon kaum mehr schlafen, weil die Fenster so laut klapperten und der Wind ums Haus pfiff. Gegen Mittag wurde es dann noch stärker, es schüttete wie aus Kübeln, die Bäume bogen sich, irgendwelche losen Kabel peitschten durch die Luft, an der Baustelle neben uns waren schon die Zäune umgefallen, der Regen wurde in Böen über die Kanten der Häuser geweht - Weltuntergangsstimmung!
Einige Auszüge:




Im fünften Stock befindet sich direkt über unserem Teil des Hauses ein Flachdach (da wo Matt gerade rausklettert), und eine Tür führt auf die Dachterasse hinaus. Dort hat sich natürlich jede Menge Wasser angesammelt, das dann durch die Decke auf unseren Gang getropft (oder besser, geronnen) ist - der Platz vor unserem Lift stand gute 5 Zentimeter unter Wasser! Steffi und ich haben uns gegen Abend der Überschwemmung angenommen, sonst würden wir wahrscheinlich immer noch im Nassen sitzen - wir konnten das Wasser mit einem flachen Kübel sogar aus dem Fenster schöpfen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Taifun beruhigt, es regnete kaum noch, und es war relativ windstill - wir waren etwas misstrauisch, dass die Sache sich so schnell erledigt hatte.
Auf den Vorhersagen im Internet war eine sehr dubiose Flugbahn (durchgezogene schwarze Linie) zu sehen - anscheinend hatte sich der Taifun bei Erreichen der Ostküste Taiwans in der dortigen Bergkette "verfangen" und eine Schleife gedreht (siehe Markierung), und dabei wurde er offenbar so abgeschwächt, dass wir dann in der Nacht auf Sonntag kaum noch etwas spürten. An der Ostküste Taiwans dürfte "Krosa" jedenfalls noch ziemlich gewütet haben, nachdem er bei uns schon dermaßen stark spürbar war, obwohl er noch so weit von uns entfernt war. Im Fernsehen haben sie Bilder gezeigt von Überschwemmungen, Murenabgängen, Straßen die weggerissen und Brücken die weggespült wurden. Es dürfte auch einige Tote gegeben haben. Leider sind die news auf chinesisch, es ist daher etwas schwierig, die richtigen Informationen herauszufiltern. Im Geo-Kurs hat der Prof. gemeint, dass der Landwirtschaft in Taiwan durch Krosa ein Schaden von 3 Milliarden TW$ (68 Mio. €) enstanden ist. Das treibt jetzt die Preise für Gemüse in die Höhe, was mich aber weniger stark berührt... ;-)

Insgesamt ist in diesen zwei Tagen über ein Meter Regen gefallen, und das ist eine ziemliche Menge.
Grundsätzlich gibt es von Mai bis Oktober die meisten Taifune, außerhalb dieser Zeitspanne kommt es nur sehr selten bis gar nicht zu einem Taifun. Wir haben in der Hinsicht also hoffentlich schon das Schlimmste hinter uns.
Ab jetzt gibt es also nur mehr gemütlichen Winterregen, und Erdbeben sind ja sowieso an der Tagesordnung. Da sie, wie wir im Geographie Kurs gelernt haben, nicht vorhersehbar sind, kann es also sein, dass wir keines mehr spüren bis wir heimfliegen, oder schon bald ein starkes kommt. Lass dich überraschen... :-)
Durch die allwöchentlichen Feueralarme sind die Sinne natürlich aufs Äußerste geschärft, sprich, man zieht sich innerhalb von Sekundenbruchteilen nach dem ersten Alarmton bereits die Decke über die Ohren. Ich für meinen Teil habe ohnehin schon vor längerem beschlossen, erst aufzustehen, wenn ich entweder Feuerwehrsirenen und Blinklicht durchs Fenster sehe/höre, bzw. wenn irgendjemand laut schreiend den Gang rauf und runter rennt. Ob die Einstellung so klug ist weiß ich nicht, besser schlafen tu ich seither aber auf jeden Fall...
Tja, das wars soweit, hoffentlich keine weiteren Naturkatastrophen in Sicht. Falls doch... read it here!
1 Kommentare:
Tja da fühlt man sich ja richtig sicher in Österreich. Recht viel mehr als ein SPAR-Dach, das wegen Schneedruckes einbricht, Hochwasser oder umgestürzte Bäume gibt es zum Glück bei uns nicht. :D
Kommentar veröffentlichen