Sonntag, 21. Oktober 2007

Ausflüge...

Und gleich noch ein Post folgt, diesmal wieder was "Kulturelles", Freitag und Samstag standen Ausflüge nach Taichung auf dem Programm.
Es "Kulturelles" zu nennen, ist vielleicht etwas übertrieben... sehr viel Kultur gabs nicht zu sehen, es war wohl eher eine gemeinsame Unternehmung zum Zeitvertreib.



Am Freitag gings mit dem Bus los, um 7:30 beim Main Gate der NTU, ab Richtung Taichung, einer etwa 2-3 Stunden entfernten Stadt. Ohne Stefan, da der am Nachmittag leider einen Termin im Krankenhaus zur Blutabnahme hatte. :(

Beim Rausfahren aus Taipei haben mich die Freeway-Kreuzungen besonders fasziniert.



Kaum ist man ein Stück raus aus der Stadt, sieht man nur mehr grün - rund herum nur Bäume und noch mehr Bäume.

Wenn man dann von weitem an einer Stadt vorbeifährt, dann sieht man weite Strecken nur Reisfelder, bis dann plötzlich die Stadt mit hohen Wohnhäusern anfängt - kein Übergang von Land zu Vorstadt oder Stadt!

Grundsätzlich sieht es in Taiwan am Land eher heruntergekommen aus. Wenn man nicht in einer Großstadt ist, dann am Land, es gibt kein Mittelding; und die Reichen wohnen definitiv in der Stadt. Bei uns ist es genau umgekehrt - wer Geld hat, kauft sich ein Haus im Grünen. Hier ist man arm, wenn man am Land wohnt, und kann sich Stadtleben nur leisten, wenn man besser situiert ist. Dementsprechend lausig wirken die kleinen Ortschaften; alles ist schmutzig, Müll liegt herum, die Häuser sind abgerissen; es gibt keine Parks, die gepflegt wirken so wie in Taipei, sondern alles ist eben verwildert.


Am ersten Tag gings zuerst in den Tian Wei road garden - im Prinzip eine riesige Gärtnerei, ich könnt nicht schätzen, wie groß, aber die ganze Ortschaft besteht im Prinzip aus dem road garden. Wie der Name schon sagt, gibt es Straßen, ganz normale Straßen, in denen jeder fahren kann, nur dass eben links und rechts nur Pflanzen, Blumen und Bäume sind, die da gezüchtet werden, und auch verkauft, vermute ich (?). Allzu viel war nicht los, ab und zu hat man ein paar Leute gesehen, aber die meiste Zeit haben wir uns nur selber getroffen, also die anderen Austauschstudenten, die mit auf dem Ausflug waren.

Man konnte sich Räder ausborgen, um die Gegend zu erkunden, auch Tandems und so Wägelchen für vier Personen waren da. Matthew, Martin und ich haben uns so ein Wägelchen genommen und sind dann (auf ziemlich abenteuerliche Art und Weise, wie ich finde!) da rumgekurvt. Ziemlich am Anfang haben wir einen Tempel entdeckt. Es sah schon so aus, als würde er genutzt werden, allerdings haben wir niemanden gefunden, der aussah, als würde er da wohnen. Aber vielleicht ist die Ortschaft ja auch noch größer, und wir haben nur den Stadtkern nicht gesehen. Der Tempel war jedenfalls angeblich daoistisch (laut Hiromichi, und laut ihm hat es auch noch einen Konfuzius-Tempel gegeben, den wir aber nicht gefunden haben).





Der Garten selbst war ganz schön, viele Blumen, auch Nutzpflanzen, und Bäume werden dort gezüchtet.





Dann gings zum Mittagessen, ebenfalls in der Anlage ("Grandmother's secret recipes"...). Es gab runde Tische mit je 9 Personen, die in der Mitte eine Drehplatte hatten. Jeder bekam ein Tellerchen und eine kleine Schüssel, und dann wurden die Speisen in der Mitte des Tisches aufgetragen. Die Organisatoren wollten uns wohl die traditionelle taiwanesische Küche näherbringen... wir waren jedoch alle mäßig begeistert. Zum Reis gab es Fisch in einer Pfanne, und kleine Lammfleisch-Knochen-Stückerl zum abnagen, das war ziemlich gut, aber der Rest war eher dubios: Karfiol, jedoch braun (gefärbt mit WAS?!), Suppe mit seltsam aussehenden Fleischstücken (Innereien?) und Meeresfrüchten, Shrimps mit Lemongrass (die waren dann doch ganz gut), irgendein komischer Auflauf aus Fleisch (vielleicht), kaltes Huhn (mit Knochen drin)... (*muahaha*, ich bin ja so froh dass ich ned mit war!!!) Generell servieren die Menschen hier oft Fleisch mitsamt allen Knochen - als ob sie einfach ein ganzes Viech kochen würden und dann einfach mit einem riesigen Messer zerstückeln und auftragen. Ist ja grundsätzlich okay, wär das Fleisch qualitativ hochwertiger und hätte man besseres Werkzeug. Aber man muss mal versuchen, das Fleisch von einem Wirbelknochen des Lamms runterzukriegen, wenn man nur Stäbchen zur Verfügung hat ^^. Und die Einheimischen können das, die essen nicht mit den Fingern! Naja, satt sind wir geworden, aber Stefan hätte wohl ein bissl gehungert ;). (too true, too true...)



Weiter gings nach Lugang, ebenfalls einem kleinen Ort, wo wir uns zwei buddhistische Tempel (sehr alt!!! Schon 200-300 Jahre!) angeschaut haben. Das war dann doch ganz interessant, weil uns unser Guide ein paar Gebräuche erklärt hat (so Orakel, wo man den jeweiligen Gott des Tempels um seine Meinung zu einem Vorhaben befragt) - sowas würde man halt nicht erfahren, wenn man sich auf eigene Faust sowas anschaut. Bei dem zweiten Tempel gabs grade ein Fest, an dem man den Vorfahren gedenkt. Dazu bringen die Menschen Essen als Opfergabe zum Tempel, das dann dort einen Tag lang gesegnet wird, und die Ahnen essen sozusagen währenddessen davon. Und dann nehmen die Leute das Essen wieder mit heim und verzehren es im Kreis der Familie. Da gabs ganze Hühner und Truthähne, die da roh in der Hitze lagen und auf den Kochtopf warteten; aber auch Obst und Süßigkeiten, getrocknete Tintenfische, Gänsehälse und Rindermägen. :P




In einem riesigen Topf konnte man Räucherwerk anzünden, da hats rausgeraucht, und ein paar Leute befragten die Götter, so wie es uns unser Guide zuvor erklärt hatte. In einem anderen Teil der Anlage gab es gerade eine Zeremonie, Gesänge, ein Instrumentalist (das Instrument ist mir leider unbekannt, es klingt ähnlich wie ein Dudelsack, schaut aber aus wie eine Gitarre, die man mit einem Bogen streicht) (mehr braucht man zum Klang wohl nicht erwähnen^^. Eine Gitarre mit Dudelsacksound... wir haben ein Video davon, evtl. bringen wirs mal online) und weitere Opfergaben. In den Straßen rund herum konnte man Essen kaufen, und Souvenirs, und religiöse Talismane und so weiter, es gab ein reges Treiben.



Nach einiger Zeit Aufenthalt dort gings dann wieder nach Hause, wo wir um etwa 8 Uhr ankamen. McDonalds rundete den Tag noch ab, und dann hieß es Schlafen, denn am nächsten Tag stand ja der nächste Ausflug auf dem Programm:


6:15(!) Treffpunkt beim Main Gate, Abfahrt erst um 7:00, da wir auf einige Leute warten mussten, die dann nicht auftauchten!!! (typisch Austauschstudentengsindl, am Vorabend noch recht schädeln, und dann nicht aufkommen in der Früh! :-))

Es ging wieder in die selbe Gegend, nahe Taichung, aber auch an diesem Tag waren wir nicht in Taichung selbst. Taichung ist die drittgrößte Stadt Taiwans, eine Millionenstadt, und in einer so großen Stadt waren wir definitiv nicht.

Am Vormittag hieß es wieder Radfahren - wir waren bei einem Radweg, der entlang einer ehemaligen Eisenbahnstrecke verläuft und einige fragwürdige Sehenswürdigkeiten bereithält - zum Beispiel eine Stahlbrücke (die man sich so ähnlich wie die Linzer Eisenbahnbrücke vorstellen kann) oder einen Tunnel, der angeblich 1,5km lang ist (soweit haben wirs aber leider nicht geschafft, wir sind in die andere Richtung gefahren). Der Radweg selbst war sehr eng, vielleicht 2-3m breit, dafür gab es umso mehr Leute, die sich in einem wirren Chaos in beide Richtungen drängten. Und so viel haben wir schon herausgefunden: ist etwas nicht genau reguliert, sind die Taiwanesen ein sehr rücksichtsloses und vor allem grenzgenial chaotisches Völkchen, da wird gedrängelt, der Weg blockiert, unerwartet umgekehrt, das Fahrrad quergestellt, in Schlangenlinien gefahren, aus Seitenstraßen herausgebogen, ohne zu schauen... einfach unglaublich. Es gab auch einige Leute, die so aussahen, als würden sie zum ersten Mal auf einem Fahrrad sitzen, und die trotzdem mit vollem Karacho die abschüssigen Stellen hinuntergebraust sind. Und auch die zu zweit auf einem Tandem gefahren sind - extrem, was fast noch grausamere Auswirkungen hatte als alleine auf einem normalen Fahrrad. Es war ein ziemlich anstrengendes Unterfangen, den ganzen Radweg haben wir auch nicht geschafft, sondern sind dann nach einiger Zeit wieder umgekehrt. Und da die "Sehenswürdigkeiten" wie gesagt, nicht so aufregend waren (abgesehen von Tunnel und Brücke gabs noch eine "Monument" aus aufgetürmten Fahrrädern und 2 alte Eisenbahnwaggons), und die angekündigten "Scenic Views" auch nicht so der Hammer waren, waren wir nicht so traurig, als es wieder weiter ging, nämlich zum Lunch.



Grundsätzlich war die Geschmacksrichtung wieder ähnlich wie gestern, nur dass es noch mehr undefinierbare Dinge gab. Ein Fisch in der Pfanne (wie gestern das Highlight des Essens - ausgezeichnet!) (genau, haha, sehr witzig^^), Schweinefleisch (offenbar vom Rücken, da das ganze voller Wirbelknochen war und fast kein Fleisch hergab) (Leckerli!), Süßkartoffel-Pflanzen (meine neue Leibspeise, ehrlich, das Zeug is wirklich gut!), Tintenfisch-Mix (no comment), Meeresfrüchte-Mix (*würg*), etwas, was aussah wie Magen oder Hirn (brrrrr... braune Stückerl undefinierbarer Substanz) (...ich brauch wohl nix dazu sagen...) (außer dass das Zeug gestunken hat wie aufm Männerklo, u get it?), wieder eine Meeresfrüchte-Innereien-Suppe, wieder Shrimps (hab ich diesmal ausgelassen), kaltes Huhn... Naja. Nachdem wir also diesen Festschmaus hinter uns gebracht hatten (warmer Reis mit Süßkartoffel-Zeug, ich war danach SO satt, unvorstellbar... im Bus hab ich dann ne Schachtel Kekse gefuttert) wollten wir gehen, weil die anderen Gruppen eh schon alle draußen waren. Da konnten wir noch beobachten, wie einer der Angestellten von Tisch zu Tisch ging, den übrig gelassenen Reis von den Schüsseln in eine große Schüssel leerte, und... naja, wir dachten, er wirds dann wohl gesammelt entsorgen. Falsch gedacht, er ging damit zu einem der großen Reiskocher/Reiswarmhaltebehälter, von denen wir uns zuvor unseren Reis geholt hatten, öffnet ihn, schüttet das Zeug rein, nimmt nen Löffel, drückts noch schön fest, schließt das Teil wieder, und geht weg wie wenn nix geschehen wäre. Da ich vermute, dass sie diese Praktik auch schon angewendet haben bevor wir gekommen sind... Mahlzeit! :-D



Der nächste Halt war ein kleiner Ort, in dem es ein Holzmuseum gab, und entlang der Straße Souvenir-Shops mit Holzprodukten. Das Museum haben wir ausgelassen (wir hatten nur 40 min Zeit), aber die Geschäfte waren echt cool. Ich hab mir Stäbchen gekauft (jetzt brauch ich nur mehr ein Behältnis, damit ich sie zum Essen mitnehmen kann), und auch ein paar andere coole Dinge gabs zu sehen:








Und der letzte Stop an diesem Tag war der wichtigste (lang angekündigt): der Besuch einer traditionellen und berühmten Wooden Duck Factory. Das Gebäude hatte auf der einen Seite einen Souvenirshop, auf der anderen Seite einen großen Raum. Holzenten bzw. Holztierfiguren waren das Thema, und als Besucher konnten wir uns jeder eine Holzente aussuchen, die wir dann bemalten. Nach dem Trocknen wurde sie noch lackiert und wieder getrocknet, und wir durften unser Meisterwerk dann mit heim nehmen. Also, mir hats Spass gemacht, aber meine Ente ist irgendwie... hippiemäßig. Es gab ein paar ganz schöne, und ein paar mehr, die verhutzelt waren *g*. Stefans Ente ist eine Rennfahrerente - sportlich, schnell, crazy. Jeder der meine Begabung für Kunsthandwerk kennt weiß, dass sich mein Repertoire auf CAD-Zeichnungen und streng geometrische Figuren beschränkt. Daher bin ich extremst stolz auf diesen Auswuchs an Kreativität meinerseits!






Danach brauchten wir noch 20 min für das Gruppenfoto - aber bis da jeder am Platz is, dann wollte natürlich so ziemlich jeder ein Foto mit der eigenen Kamera, also... ^^ das dauert!

Bei der Rückfahrt haben uns unsere Gruppenleiter (zwei Mädels, die eine völlig stumm und ruhig, die andere dafür umso redseliger, sie hat für uns immer alles wiederholt, was der Sprecher im Bus vorne gesagt hat und uns alle 5 min durchgezählt, obwohl wir nur zu siebent waren ^^) noch Kekse gekauft: sun cakes, speziell aus Taichung (ein Blätterteigding, staubtrocken und relativ geschmacksneutral... naja) und so was ähnliches wie Daifuku (so ein Reiskuchen, von der Substanz her wie Wackelpudding, nur trocken, zieht sich wie Gummi und ist von irgendeiner Mehlschicht umgeben... ebenfalls mäßig...). Aber sie haben es gut gemeint, und so haben wir uns halt überwunden... *g* Immerhin ist es ja very traditional in dieser Gegend, und man will sich den Gepflogenheiten nicht widersetzen.

Bei der Heimfahrt im Bus gabs dann eine DVD namens "Surf's Up". Eine Reality Soap (animiert!!!) über einen surfenden Pinguin, der irgendwo auf eine Südseeinsel kommt, um einen Surfwettbewerb zu gewinnen. War ganz lustig, und hat mich vom Schlafen abgehalten. ;)

Als Abendessen gabs dann "Garlic"-Spaghetti, um unsere Mägen zu beruhigen ;)

Und ich bin prompt in ein Fettnäpfchen gefallen (kopfüber!), als ich das Alter einer der Angestellten schätzen sollte. Ich sagte 25; sie war erst 17, und in Taiwan wollen die Leute lieber jünger geschätzt werden! Das arme Mädel war dann ganz verzweifelt, dass ich sie schon für so alt hielt... 25 war vielleicht ein bisschen übertrieben und vorschnell, aber die anderen hätten auch 21-23 gesagt, und ich hab ja den foreigner-Bonus, also hoffe ich, dass ich das nächste mal wieder bedient werde!
Ich habe, nachdem wir draußen waren, beschlossen, dass wir nie wieder mit Chrisi in dieses Lokal gehen werden... :-)

Tja, das waren die Ausflüge der letzten zwei Tage. Wir haben sie natürlich ein bissl verrissen, und eher die grausamen stories erzählt, aber alles in allem wars wirklich eine gscheite Gaudi, mit den vielen anderen Austauschstudenten herumzufahren und die Gegend besser kennen zu lernen (aber wie jeder weiß, "only bad news is good news", da muss man halt schon was bieten, um das werte Lese-Publikum bei Laune zu halten ;-))

1 Kommentare:

Tini hat gesagt…

Hi,

Surf's Up (oder auf deutsch: Könige der Wellen) is doch a super Film. Hab i ma mit da Diana im Kino angschaut.

Anscheinend gehts euch gut (abgesehn vom Essen - Also ich würd dort garantiert verhungern *g*).

Gebts ma amoi eure genaue Adresse, dann köntt i euch vieleicht a Weihnachtskarte oder so schicken.

Bussal tini